Fragen und Antworten über mich

In seinen Tagebüchern hat Max Frisch, datiert mit dem Jahr 1966, 25 Fragen an sich selbst gestellt. Mit diesen Fragen sollte ein Mensch in seiner Art und seinen Ansichten grob zu umreißen sein. Ich stelle mich dem Versuch, mich anhand dieser Fragen vorzustellen.

Der Fragebogen von Max Frisch
1. Sind Sie sicher, dass Sie die Erhaltung des Menschengeschlechts, wenn Sie und alle Ihre Bekannten nicht mehr sind, wirklich interessiert?
Nein.
2. Warum?
Wenn ich nicht mehr bin, wird mich nichts mehr interessieren können.
3. Wie viele Kinder von Ihnen sind nicht zur Welt gekommen durch Ihren Willen?
Keines.
4. Wem wären Sie lieber nie begegnet?
Ich bereue keine Begegnung.
5. Wissen Sie sich einer Person gegenüber, die nicht davon zu wissen braucht, Ihrerseits im Unrecht und hassen Sie eher sich selbst oder die Person dafür?
Ich neige dann eher zum Selbsthass, wobei es sein kann, dass mein Hass sich zuerst gegen die andere Person richtet, ich dies aber erkenne und sich darin mein Selbsthass begründet.
6. Möchten Sie das absolute Gedächtnis?
Nein.
7. Wie heißt der Politiker, dessen Tod durch Krankheit, Verkehrsunfall usw. Sie mit Hoffnung erfüllen könnte? Oder halten Sie keinen für unersetzbar?
Auf die erste Frage möchte ich keine Antwort geben, da heute nicht zu wissen ist, welcher Anhänger dieses Politikers das liest und mich womöglich dafür in Hassgebete einschließt oder gleich ermordet. Die zweite Frage sollte eher lauten, ob es einen Politiker gibt, den ich nicht für ersetzbar halte.
8. Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?
Einen Onkel mütterlicherseits, der viel zu früh gestorben ist und mit dem sich einige heitere Kindheitserinnerungen von Hamburgaufenthalten verbinden.
9. Wen hingegen nicht?
Das ist hart. Ich würde jedem die Chance geben wollen, sich zu bessern.
10. Hätten Sie lieber einer anderen Nation (Kultur) angehört und welcher?
Keiner bestimmten, jedoch einer, in der Bürokratismus und Spießertum weniger dominant sind als in der unsrigen.
11. Wie alt möchten Sie werden?
Sehr alt.
12. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit? Ja oder Nein.
Ja.
13. Warum nicht, wenn es Ihnen richtig scheint?
-
14. Hassen Sie leichter ein Kollektiv oder eine bestimmte Person und hassen Sie lieber allein oder im Kollektiv?
Ich hasse am liebsten allein Kollektive.
15. Wann haben Sie aufgehört zu meinen, dass Sie klüger werden oder meinen Sie’s noch? Angabe des Alters.
Etwa mit 30 Jahren.
16. Überzeugt Sie Ihre Selbstkritik?
Nein.
17. Was, meinen Sie, nimmt man Ihnen übel und was nehmen Sie selbst übel, und wenn es nicht dieselbe Sache ist: Wofür bitten Sie eher um Verzeihung?
Man nimmt mir häufige Unentschlossenheit übel. Ich nehme anderen übel, wenn sie mich kritisieren. Für Letzteres bitte ich häufiger um Entschuldigung, da mir die Kritik beim zweiten Nachdenken darüber meist doch berechtigt erscheint.
18. Wenn Sie sich beiläufig vorstellen, Sie wären nicht geboren worden: beunruhigt Sie diese Vorstellung?
Nein.
19. Wenn Sie an Verstorbene denken: wünschten Sie, dass der Verstorbene zu Ihnen spricht, oder
möchten Sie lieber dem Verstorbenen noch etwas sagen?
Ich wünsche keines von beiden. Wenn es sein muss, dann eher die zweite Option.
20. Lieben Sie jemand?
Ja.
21. Und woraus schließen Sie das?
An Sorgen und Freuden, die wir gemeinsam empfinden und an Gefühlen, für die selbst Dichter kaum passende Worte gefunden haben.
22. Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?
Ich hatte in den Momenten nicht die geeignete Waffe in der Hand.
23. Was fehlt Ihnen zum Glück?
Geld und die Freiheit, damit etwas Sinnvolles anzufangen.
24. Wofür sind Sie dankbar?
Für die Fügungen im Leben, die mich zum Vater und Ehemann gemacht haben.
25. Möchten Sie lieber gestorben sein oder noch eine Zeit leben als gesundes Tier? Und als welches?
Als Bartaffe im Leipziger Zoo.

Visueller Lebenslauf

Lebenslauf_visuell_Markus Haack

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